| Veranstaltung: | Bundesjugendwerkskonferenz 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 7.c. Weitere Anträge |
| Status: | Beschluss |
| Abstimmungsergebnis: | angenommen, einstimmig |
| Beschluss durch: | Bundesdkonferenz |
| Beschlossen am: | 17.05.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Gewalt gegen Mädchen* und FLINTA beenden – auch im digitalen Raum
Antragstext in einfacher Sprache
Die Bundesjugendwerkskonferenz möge beschließen:
Das Jugendwerk der AWO positioniert sich klar gegen jede Form
geschlechtsspezifischer Gewalt.
Gewalt gegen Mädchen* und FLINTA (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-
binäre, trans und agender Personen) ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck
patriarchaler Machtverhältnisse.
Sie zeigt sich in unterschiedlichen Formen - körperlich, psychisch, sexualisiert
und zunehmend auch im digitalen Raum. Digitale Gewalt ist dabei als reale und
ernstzunehmende Form von Gewalt anzuerkennen.
Digitale Entwicklungen, insbesondere im Bereich künstliche Intelligenz, eröffnen
neue Möglichkeiten, Gewalt auszuüben. Dazu gehört die Erstellung und Verbreitung
von manipulierten oder sexualisierten Inhalten ohne Zustimmung der Betroffenen.
Ein Teil dieser Gewalt entsteht und verbreitet sich in Situationen, in denen
Männer unter sich sind. In solchen Kontexten werden Grenzüberschreitungen häufig
nicht hinterfragt, verharmlost oder aktiv weitergetragen.
Auch gesamtgesellschaftlich zeigt sich ein Problem: Wenn Fälle von
geschlechtsspezifischer Gewalt öffentlich werden, fehlt häufig die klare
Solidarität mit den Betroffenen. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit
teilweise auf die gewaltvollen Inhalte selbst.
Als Kinder- und Jugendverband sehen wir es als unsere Aufgabe, uns klar gegen
diese Entwicklungen zu positionieren, aufzuklären und uns für den Schutz von
Mädchen* und FLINTA einzusetzen.
Daraus ergeben sich für uns folgende Forderungen:
Wir fordern die Bundesregierung auf, bestehende Schutzlücken zu schließen
und wirksame gesetzliche Regelungen gegen geschlechtsspezifische Gewalt -
insbesondere im digitalen Raum - zu schaffen.
Wir fordern Online-Plattformen auf, konsequent gegen die Verbreitung von
digitaler Gewalt vorzugehen und Betroffene besser zu schützen.
Wir fordern Männer auf, Verantwortung zu übernehmen: Sexismus und Gewalt
dürfen nicht akzeptiert werden. Es braucht klares Widersprechen und
Eingreifen - im Internet und im eigenen Umfeld.
Wir fordern alle auf, eine solidarische Haltung einzunehmen und sich aktiv
auf die Seite der Betroffenen zu stellen.
Begründung in einfacher Sprache
Gewalt gegen Mädchen* und FLINTA ist ein strukturelles gesellschaftliches
Problem.
Digitale Entwicklungen verstärken bestehende Formen von Gewalt und machen
deutlich, dass aktuelle Schutzmechanismen nicht ausreichen.
Gleichzeitig zeigen gesellschaftliche Reaktionen auf solche Fälle, dass es
weiterhin an Sensibilität und Solidarität mit Betroffenen fehlt. So gehen
beispielsweise nach Berichterstattungen über digitale Gewalt gegen FLINTA
Internet-Suchanfragen hoch, die explizit nach Bildern suchen, über die berichtet
wird. Nach genau den Bildern also, die Teil der Gewalt sind. Außerdem erhalten
Betroffene Drohungen von Männern, um sie und andere abzuschrecken über ihre
Gewalterfahrungen zu sprechen.
Ein wirksamer Schutz erfordert daher sowohl klare gesetzliche Regelungen als
auch ein gesellschaftliches Umdenken. Wir brauchen Solidarisierung mit den
Betroffenen auf allen Ebenen.
Als Jugendwerk der AWO sehen wir uns in der Verantwortung, diese Zusammenhänge
sichtbar zu machen und uns aktiv für eine gerechtere und gewaltfreie
Gesellschaft einzusetzen.
*Das Sternchen weist darauf hin, dass hinter der Kategorie Mädchen* vielfältige
Identitäten stehen.
