| Veranstaltung: | Bundesjugendwerkskonferenz 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 7.c. Weitere Anträge |
| Status: | Beschluss |
| Abstimmungsergebnis: | Enthaltungen: 1 |
| Beschluss durch: | Bundeskonferenz |
| Beschlossen am: | 17.05.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Die extreme Rechte im Blick behalten – Wissen aufbauen und handlungssicher für Demokratie und die Werte des Jugendwerkes einstehen
Antragstext in einfacher Sprache
Die Bundesjugendwerkskonferenz möge beschließen:
Das Bundesjugendwerk der AWO setzt sich zusammen mit seinen Untergliederungen ab
sofort systematisch und kontinuierlich mit den Aktivitäten und aktuellen
Entwicklungen der extremen Rechten in Deutschland auseinander, um die
Jugendwerke vor Ort in ihrer Arbeit zu beraten und zu stärken.
Der Vorstand und die Geschäftsstelle des Bundesjugendwerkes werden beauftragt,
das Thema „Die extreme Rechte im Blick behalten – Wissen aufbauen und
handlungssicher für Demokratie und die Werte des Jugendwerkes einstehen“ in den
nächsten Jahren als Querschnittsthema in die Arbeit des Bundesjugendwerkes zu
integrieren und dazu insbesondere die folgenden Punkte umzusetzen:
1. Aufbau eines Informations- und Wissenspools
Das Bundesjugendwerk baut einen Informations- und Wissenspool zu Hintergründen,
Entwicklungen und Akteur*innen, aber auch zum Umgang mit der extremen Rechten
auf. Dabei werden bestehende Angebote an Publikationen und sonstigen Materialien
von bewährten Kooperationspartner*innen genutzt und gebündelt. Im Fokus sollen
dabei Informationen, Publikationen, Best-Practice-Beispiele oder auch
Erfahrungsdokumentationen stehen, die jugendpolitisch relevant sind und die
pädagogische/ verbandliche Arbeit der Mitglieder unterstützen können. Beschlüsse
und Verfahrensbeispiele aus anderen progressiven Jugendverbänden, Jugendringen
oder Akteur*innen sind dabei ebenso zu berücksichtigen.
2. Monitoring von landes- und bundespolitischen Entwicklungen
Das Bundesjugendwerk informiert sich regelmäßig über Anfeindungen von
Jugendverbänden, Trägern der Jugendhilfe sowie anderen progressiven Akteur*innen
und ihrer Angebote durch Parteien oder Mandatsträger*innen der extremen Rechten
auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene. Dabei sollen insbesondere Anträge auf
finanzielle Kürzungen oder Streichungen im Fokus stehen. Die Ergebnisse werden
dokumentiert. Der Vorstand berät über geeignete Unterstützungsangebote für
betroffene Untergliederungen, im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen.
3. Aufbau eines Austausch- und Beratungsangebots für die Mitgliedsorganisationen
Das Bundesjugendwerk entwickelt geeignete Austausch- und Beratungsangebote für
ihre Untergliederungen, um bei Vorfällen von Anfeindungen oder erhöhten
Aktivitäten von Gruppen der extremen Rechten in ihrem Wirkungsbereich,
Unterstützung anbieten zu können. Dabei werden auch Verfahren der
Verweisberatung genutzt. Außerdem wird das Themenfeld in Fort- und
Weiterbildungsangebote aufgenommen.
4. Bildungsarbeit im Jugendwerk stärken und bündeln
Das Bundesjugendwerk der AWO schafft zeitnah einen Austauschpool, in dem schon
vorhandene Konzepte und Materialien von Jugendwerken und/oder deren
Kooperationspartner*innen
- für Workshops zur politischen Bildung und Demokratieförderung,
- zur Gedenkstättenpädagogik und Gedenkstättenfahrten,
- zur Antirassismusarbeit,
- für Partizipationsprozesse,
- für Planspiele
- zur rassismuskritischen und diskriminierungsfreien Bildungsarbeit
- zu U-18 Wahlen
gesammelt werden und auf den alle Jugendwerke vor Ort Zugriff erhalten.
Der Vorstand und die Geschäftsstelle des Bundesjugendwerkes nutzen die
vorhandenen oder entwickeln ggf. neue Veranstaltungen, um einen aktiven
Austausch zu allen genannten Punkten für alle Ehren- und Hauptamtlichen im
Jugendwerk zu organisieren, die Themen und Bildungsangebote weiterzuentwickeln,
sowie um die Untergliederungen regelmäßig aktiv zu informieren.
Dabei sollen bestehende
Angebote und Expertise anderer Jugendverbände, Jugendringe, Fachstellen und
zivilgesellschaftlicher Akteur*innen genutzt und Doppelstrukturen vermieden
werden. Dazu zählen insbesondere:
- Die Bündelung und digitale Bereitstellung bereits bestehender Materialien,
Handreichungen und Best-Practice-Beispiele,
- die Einrichtung regelmäßiger digitaler Austauschformate für Haupt-und
Ehrenamtliche,
- die Sammlung und Vermittlung bestehender Beratungs-und
Unterstützungsangebote externer Fachstellen,
- die Entwicklung eines einfachen Überblicks zu Ansprechpersonen,
Verweisberatung und Unterstützungsstrukturen,
- sowie die stärkere Vernetzung der Untergliederungen zu Fragen des Umgangs
mit Aktivitäten der extremen Rechten.
Begründung in einfacher Sprache
In den letzten Jahren finden immer mehr junge Menschen rechtsextreme und
rechtspopulistische Ideen gut. Das passiert nicht nur in Ostdeutschland. Auch
bei Wahlen im März 2026 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat die AfD bei
jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren fast 20 Prozent bekommen. Insgesamt
hat sich das Ergebnis der AfD in ganz Deutschland in nur fünf Jahren verdoppelt.
Die meisten jungen Menschen wählen demokratische Parteien. Aber in vielen
Regionen war die AfD bei dieser Wahl die stärkste Partei. Bei den nächsten
Wahlen im September 2026 könnten sie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-
Anhalt sogar über 30 Prozent bekommen. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD im
schlimmsten Fall sogar mitregieren. Diese Entwicklung ist gefährlich für die
Demokratie und darf nicht ignoriert werden.
Die AWO hat eine klare Geschichte gegen rechte Ideen. Deshalb sehen wir uns im
Jugendwerk der AWO in der Pflicht, uns klar gegen diese Entwicklungen zu
stellen. Zudem ist es wichtig, dass die Jugendwerkswerte erhalten bleiben.
Schon jetzt gibt es an vielen Orten mehr rechtsextreme Jugendgruppen. Sie
versuchen, junge Menschen zu erreichen, zum Beispiel über Freizeitangebote,
Musik oder soziale Medien. Auch in Schulen wollen sie mehr Einfluss bekommen.
Das ist keine ferne Gefahr. Es gibt schon echte Gewalt. Zum Beispiel gab es
Angriffe auf Jugendclubs und Jugendverbände. Auch Projekte wurden angegriffen
oder beschädigt. Diese Angriffe zeigen, dass die Gewaltbereitschaft hoch ist.
Sie richten sich direkt gegen Jugendverbände und ihre Mitglieder, die wichtig
für unsere Demokratie sind.
Außerdem versuchen rechte Gruppen, Angst zu machen und unsere Arbeit schlecht
darzustellen. Sie behaupten zum Beispiel, wir dürften nicht politisch sein. Das
stimmt so nicht. Gleichzeitig nehmen Bedrohungen zu. Ehrenamtliche werden
verfolgt oder bedroht. Manche Jugendliche berichten von Angst und
Einschüchterung. Das zeigt: Engagement für die Gesellschaft ist nicht überall
sicher.
Vor allem junge Menschen aus benachteiligten Gruppen sind besonders betroffen.
Es droht durch den Rechtsdruck, dass Menschen in Gefahr geraten und
Einrichtungen schließen müssen.
Auch andere Probleme spielen eine Rolle. Viele Menschen haben weniger Vertrauen
daran, dass sie durch Leistung aufsteigen können. Es gibt wirtschaftliche
Krisen, soziale Ungleichheit und antidemokratische Ideen. All das beeinflusst
das Leben junger Menschen. Deshalb brauchen wir gute und durchdachte Lösungen.
Gerade jetzt ist es wichtig, zusammenzuhalten. Wir müssen Netzwerke stärken,
Menschen schützen und gemeinsam Wege finden, mit diesen Herausforderungen
umzugehen. Es ist wichtig, klar gegen rechte Ideen Stellung zu beziehen.
Jugendverbandsarbeit ist sehr wichtig. Sie stärkt die Demokratie und hilft
jungen Menschen, sich einzubringen. Wir wollen weiter dafür sorgen, dass junge
Menschen Vertrauen in die Demokratie haben und merken, dass sie etwas bewirken
können. Unsere Arbeit ist sehr wertvoll für die Zukunft und darf nicht in Frage
gestellt werden.
